Von Geschichten und Geheimnissen oder "About last night"

 

Wenn viele leere Flaschen und Gläser auf den Tischen stehen. Wenn das Licht aus ist. Wenn die Musik immer leiser wird, bis sie schließlich ganz verstummt. Wenn über die Hälfte der Partygäste bereits weg ist und die, die noch übrig sind, sich in diesem gezielt herbeigeführten, temporären Kontrollverlust laben, als wäre es ein Bad aus Milch und Honig. Wenn alles drumherum egal ist. Wenn du weißt, du wirst ohnehin vergessen, was du erzählt hast...

 

An der Stelle wird es ehrlich. Ehrlich schön. Ehrlich aufrichtig. Ehrlich unangenehm. Ehrlich.

 

 

 

An dieser Stelle erfährt und erzählt man die Dinge, die tagsüber unter diesen perfekt geschminkten und herrlich dekorierten Masken schlummern. Die Dinge, die man lieber versteckt hält und selten zugibt, dass sie da sind. Die Dinge, um die es wirklich geht.

 

 

 

Gefühle, die da waren, da sind und vielleicht immer da sein werden. Geschichten, die erzählt werden wollen. Ängste, die man ansonsten viel lieber in kunterbuntes Papier einwickelt und mit kitschig glitzernden Schleifen belädt. Das, was unter dieser Oberfläche der Illusion schlummert, die wir so sehr zu schützen wissen. Das, was erst ans Tageslicht kommt, wenn die Kontrolle, die uns zu denen macht die wir vorgeben zu sein, nicht mehr da sein kann...

 

 

 

Am Tag danach, da hat man einiges vergessen, manches bereut man und vieles würde man vermutlich nochmal genauso machen. Manchmal ist die Erinnerung kristallklar, ein anderes Mal wiederum trüb und schmutziges wie staubiges Milchglas. Mal bereut man mehr, mal weniger. Und manchmal, da ist es vielleicht genauso richtig, wie es war. Wer macht schon immer alles richtig? Wer will überhaupt immer alles richtigmachen?

 

Ist es nicht ohnehin viel spannender, wenn uns so mancher, klitzekleiner Gedanke entgleitet, ausgesprochen wird und dann weiterfliegt, wie ein schillernd bunter Schmetterling oder eine nahezu farblose Motte - dem Licht entgegen, das ihn glühend heiß empfängt und sowohl Leben schenkt als auch nimmt?

 

Wenn unsere Gedanken und Geschichten, mit denen der anderen feine, Spinnweben artige Fäden knüpfen und vielleicht irgendwann ein Netz bilden oder eben auch nicht? Kontrollverlust!?