Verliebt.Verlobt.Verheiratet - oder halt einfach nichts davon

Ende zwanzig zu sein ist an sich tatsächlich besser, als man es erwartet.        

Die ja doch irgendwie recht anstrengende "Sturm und Drang"-Zeit liegt so langsam hinter einem, man wird ein bisschen ruhiger, kennt sich besser, hat gelernt hier und da mal nein zu sagen und ist doch irgendwie ein bisschen erwachsen - zuweilen. Und hey, man weiß mittlerweile, dass man sich die Beine hinten auch rasieren muss und wie viel Tequila tatsächlich zu viel Tequila ist. So zumindest die Theorie...

 

"Du siehst für dein Alter aber noch wirklich richtig jung aus". "Echt? So alt hätt ich dich jetzt aber nicht geschätzt". "Oh mei, in drei Jahren bist ja dann schon dreißig". "Ach, du bist noch nicht verheiratet?". "Und wie schaut´s so mit der Zukunft aus? Jetzt langsam muss man das ja schon wissen, oder?". "Hast endlich wieder einen Freund? Wirst ja auch nicht mehr jünger".

 

Auf dem Junggesellinnenabschied einer Schulfreundin, vor einigen Wochen, wurde ich mit so herrlich indiskreten Anmerkungen und Fragen regelrecht überhäuft. So ist es ganz bestimmt nicht überalll aber im nur vordergründig alternativen, weil eigentlich konservativen Traunstein schon irgendwie. Zwar hat mich diese Fragerei eher zum Schmunzeln gebracht, ein bisschen drüber nachgedacht hab ich aber dennoch...

Gerade jetzt, mit 27, habe ich das erste Mal das Gefühl, dass ich gelernt habe, mich selber besser einzuschätzen. Ich weiß wer ich bin, was ich will und was ich kann und nicht können muss. Ich hab gelernt, dass ich auch allein sein kann und nicht das Gefühl, dass ich jetzt ganz dringend jemanden brauche, der mit mir sein Leben teilt. Oder gar heiraten muss. Warum ist dieses Thema denn eigentlich überhaupt noch immer so präsent? Kann nicht einfach jeder das machen, was sich für ihn richtig anfühlt? Ich mein, ich habe ein Freundin, die ist zwei Jahre älter als ich und scho seit 7 Jahren glücklich verheiratet, eine andere, die gerade ganz allein ihre Weltreise in Angriff nimmt und wieder eine, die nachdem sie gar nicht gesucht hat, jemanden gefunden hat, der sie so ergänzt, wie sie es sich nie hätte vorstellen können. In meinem engen Freundeskreis sind so unglaublich unterschiedliche, künstlerisch geprägte Frauen, die ihr eigenes Ding machen. In unterschiedlichsten Ausprägungen.

Ich fühl mich nicht "für mein Alter noch jung aussehend", "auf der Suche nach Mr. Right, weils schon fast zu spät ist" oder "unter Druck, weil mein 5 Jahres Plan nicht feststeht".

Vielleicht sollten wir uns generell einfach viel mehr Zeit dafür nehmen, nach innen zu schauen und daran zu arbeiten, dass das auf jeden Fall passt und das, was von außen so an einen herantritt nicht zu ernst nehmen...

Ich sitz grad hier, an meinem Schreibtisch, mit Beinen, die auf beiden Seiten rasiert sind, einem Glas Weißwein, der tatsächlich schmeckt und frag´ mich, was ich in zehn Jahren wohl so denken werde...

Für mich fängts jetzt erst so richtig an und das finde ich, ehrlich gesagt, absolut fabelhaft.