Von der längst vergangenen Zeit und dem, was sein wird

Seit fünf Jahren mache ich in jedem neuen Jahr, ganz kurz nach Mitternacht, immer das Gleiche. Ich nehme mir ein Blatt Papier, schreibe meine allerersten Gedanken in diesem neuen Jahr auf, falte es, stecke es in ein Kuvert, verschließe diese und lasse diese Gedanken fast ein ganzes Jahr lang ruhen. Am vorletzten Tag des Jahres öffne ich das Kuvert dann und lasse die Worte einen Tag lang wirken, bis dann die Gedanken für das neue Jahr aufgeschrieben werden.

 

Heute habe ich mein Kuvert geöffnet.

 

„Wenn eine Frau beschließt, ihr Leben zu ändern, ändert sich alles um sie herum“.

 

Dieses Zitat von Eufrosina Cruz waren meine ersten Gedanken im Jahr 2017.

 

Ich hatte kurz davor etwas über sie gelesen und meine Gedanken aus dem Jahr 2016 waren

 

„Finde heraus, warum du noch nicht sein kannst, wer du bist“.

 

Heute, als ich meine Worte vor mir liegen sah, wurde mir zum ersten Mal wirklich bewusst, dass ich weiterkomme. Jeden Tag einen kleinen Schritt weiter. Ich habe dieses Jahr unbewusst mit dem Vorsatz, mein Leben zu ändern begonnen und wenn ich heute zurückblicke auf das, was passiert ist, dann kann ich tatsächlich stolz auf mich sein, mich trauen, so etwas wie Stolz zu empfinden.

 

Ich habe ein Jahr hinter mir, das ereignisreicher, aufregender, schrecklicher, wundervoller, trauriger und schöner nicht hätte sein können.

 

Ich habe mich selber kennengelernt und lieben gelernt, das ist sicherlich erst der Anfang, aber jedem Anfang liegt ein Zauber inne.

 

Ich habe mich von Menschen verabschiedet, von denen ich wollte, dass sie gehen, die selbst gehen wollten oder gehen mussten.

 

Es kamen neue Menschen dazu und alte, die bereit waren, wiederzukommen.

 

Ich habe gelacht und geweint, mein Herz verschenkt und die Scherben, die daraus resultierten sorgsam wieder zusammengefügt.

 

Ich habe ganz oft das Falsche und nicht selten das Richtige entschieden.

 

Ich habe gelernt, das zwischen Schwarz und weiß so unendlich viel liegt, dass ich es gar nicht erfassen kann.

 

Ich habe gelernt, dass die Demut den Stolz nicht verachtet.

 

 

 

Ganz lange habe ich gebraucht, bis ich verstanden habe, dass ich nicht alles richtigmachen muss. Nein sagen darf. Auf mich selbst achten darf.

 

Jetzt ist dieses eine Jahr vergangen und ich kann mich kaum mehr erinnern an die, die ich vor 364 Tagen noch gewesen bin. Vielleicht, weil diese ganz einfach noch nicht ich war, sich noch nicht getraut hat, ich zu sein.

 

Morgen ist der letzte Tag in diesem wundervollen Jahr und ich bin gespannt auf das was kommt. Auf die Gedanken, die mein neues Jahr einleiten.

 

Es wird viel passieren – das ist sicher!

 

Und nun? Nun, möchte ich, so nüchtern wie es mein Wesen denn zulässt, den Menschen, die mich in diesem Jahr begleitet haben, mich ertragen und getragen und mit mir gelacht und geweint haben, die bleiben wollen und von denen ich unbedingt will und hoffe, dass sie bleiben noch einige Worte schenken:

 

 

 

Fräulein C - Wir kennen uns seit bald 20 Jahren und keine weiß so genau, wie viele Fehler und Eigenheiten meinem Wesen innewohnen. Du kennst das Kind, das ich einmal gewesen bin und die die ich jetzt sein kann. Ich bin so froh, dass ich in diesem Jahr, in dem ich so Vieles lernen musste und durfte, zu dir zurückgefunden hab und du zu mir. Du wirst jetzt ein Jahr lang reisen und ich wünsche dir, dass du die Zeit haben wirst, die du brauchst! Ich wünsch dir Abenteuer und schöne Momente und all das, was sein soll. Und – ich bin immer nur eine Nachricht, einen Anruf entfernt 😊

 

 

 

Fräulein L -  Du bist laut und exzentrisch und bunt und aufregend. All das, was ich nicht bin. Du zeigst mir, dass es nicht nur in Ordnung ist, man selbst zu sein, sondern das Allerbeste. Ich wünsche für dieses neue Jahr, dass du Ruhe findest, immer wieder einen Moment lang inne zu halten und dich zu schauen. Ich wünsch dir, dass fast die ganze Welt, deine Backkünste zu schätzen lernt und, dass du nicht aufhörst, so positiv zu sein. Ich wünsch dir ganz einfach, dass du die bleibst, die du sein möchtest!

 

 

 

Und Fräulein A -  Dich durfte ich in diesem Jahr besser kennen und schätzen lernen. Ich wünsche mir, dass das so weitergehen kann. Dir wünsch ich, dass du so viel Licht und so viel Farben, dass deine Kreativität gar nicht anders kann als zu sprießen und Blüten zu tragen.

 

Darauf, dass das was kommt, dem Vergangenen den Atem raubt!