Von den Dingen, die manchmal wohl jeder sagen, aber niemand hören möchte

Heute ist einer dieser Tage, an denen ich im Bett bleiben möchte, die Rolläden geschlossen halten und die Welt da draußen nicht an mich ranlassen möchte. Ich habe immer wieder solche Tage und ja, an diesen Tagen, kann ich mich selbst kaum aushalten. Ich liege meist da und frage mich, ob ich denn überhaut irgendeinen Schritt weitergekommen bin oder ob es nicht vielmehr so ist, dass ich mich im Kreis drehe und es gar nicht bemerke.

 

Es regnet und ich höre, wie die Regentropfen, einer nach dem anderen, ganz dicht, ans Fenster prasseln. Ich will keine Musik hören, niemanden sprechen hören. Nur das Geräusch der ans Fenster prasselnden Regentropfen durchbricht die Stille.

 

Ich bin allein. Alleinerziehend. Es gibt mich und diese zwei kleinen Menschen, für deren Wohlergehen ich verantwortlich bin und an Tagen wie diesem, spüre ich diese Verantwortung stärker als sonst. Sie erfüllt mich mit Ehrfurcht. Sie macht mir Angst. Ich bin eine Mama. Eine alleinerziehende Mama und ich hasse dieses Wort. "Alleinerziehend". Ich hasse es, allein zu sein und ich mag mein Leben so nicht immer. Es gibt diese Tage, wie diesen, an denen ich mich frage, ob nicht ich das Problem bin, ob nicht ich Schuld daran bin, dass ich allein bin, dass ich an mehr zu kämpfen, an mehr Dingen zu arbeiten habe, als mir lieb ist. Es ist nicht immer schön, nein und ich habe auch keine Lust so zu tun, als wäre es das. Ich habe viel zu viele Jahre in meinem Leben damit verschwendet, jemand zu sein, der ich nicht bin, eine Rolle zu spielen, die anderen gut gepasst und mir zwar gestanden hat aber nicht wahrhaftig war, nicht echt war. Damit ist Schluss. Ich will und ich muss es niemandem mehr recht machen, will nicht den Weg des geringsten Widerstandes wählen. Ich will leben. So, wie es sich für mich, für uns gut anfühlt. Ich will lieben. Die Liebe selbst, das Leben und mich und dazu gehört nunmal auch, dass ich lerne, all die negativen Dinge anzunehmen. Es ist nicht immer alles einfach. Es ist nicht immer alles schön. Und es gibt Momente, in denen kotzt mich das an. Es gibt Momente, in denen bin ich so wütend auf die Menschen, die ich in mein Leben gelassen und die mir meine Energie entzogen haben. Ich bin wütend auf mich selbst, dass ich nicht früher für mich eingestanden bin und nicht schon früher "Stop" gesagt habe. An Tagen wie diesen, reflektiere ich so viele Momente um am Ende festzustellen, dass das nichts bringt. Ich kann die Dinge, die in der Vergangenheit geschehen sind, meine eigenen Fehler und auch die der anderen nicht ändern. Ich darf nicht darüber nachdenken, was wäre wenn. Das Leben hört nicht auf, während ich nachdenke! Leben ist jetzt und hier. Und ja, es ist ein Geschenk, auch wenn ich das an solchen Tagen gar nicht hören will. Das Bild, das zu jedem Leben gehört, ist nicht immer nur in einer Farbe gemalt. Es hat so unendlich viele Farben, so viele Schattierungen und Farbnuancen und was für mich gelb ist, ist vielleicht für jemand anderen grau oder rot oder grün. Was weiß ich schon darüber, wie das alles zu laufen hat, wie das alles funktioniert. Ich bin ein einfacher Mensch. Ein Mädchen, das sich noch immer nicht traut, sich eine Frau zu nennen. Eine Mama, der das Mama sein manchmal Angst macht und die das Wort "alleinerziehend" so sehr hasst und ich bin eine Seele, die nicht weiß, ob sie jung oder alt ist. Ich denke viel nach, vermutlich zu viel. Ich will alles richtig machen und doch vieles falsch. Ich will weiterkommen, lernen, mich verändern, mich kennenlernen. Ich will ein aufrichtiger Mensch sein, eine gute Mama, eine erwachsene Frau, die weiß wer sie ist und wo sie hin will. So weit bin ich aber noch lange nicht. Anstatt diesen Zustand anzunehmen, bin ich ungeduldig. Erwarte zu viel von anderen und mir selbst und habe Angst, mich zu verlieren. An Tagen wie diesem, ist diese Angst präsent und will gefühlt und wahrgenommen werden. Ich gebe ihr den Raum, den sie braucht, um der Freude und dem Glück die Hand reichen zu können, Es gibt nicht nur ein einziges Gefühl, dass uns in solchen Momenten vollständig beherrstcht. Sie gehören alle zueinander und eines kann sich ohne das andere nicht entfalten. Zuversicht und Zweifel, Kummer und Freude, Vertrauen und Angst - sie arbeiten Hand in Hand und machen mich, machen jeden Menschen letztendlich zu dem, was er ist, was ihn ausmacht. Ich lerne immer mehr, dass all diese Gefühle in Ordnung sind, dass ich Angst haben darf und dass ich zweifeln darf, Auf einen Tag wie diesen folgt nämlich stets und das ist gewiss, ein Tag, an dem ich weiß, dass alles gut ist.

 

Es regnet und ich höre, wie die Regentropfen, einer nach dem anderen, ganz dicht, ans Fenster prasseln. Ich will keine Musik hören, niemanden sprechen hören. Nur das Geräusch der ans Fenster prasselnden Regentropfen durchbricht die Stille. Und während ich nachdenke, zweifle, Angst habe und versuche alles vorauszusehen, zu kontrollieren merke ich, dass ganz langsam mein Tank aufgefüllt wird. So paradox dies auch sein mag. Manchmal ist es einfacher als mir wohl lieb ist. Egal wie lange es regnet, irgendwann kommt immer die Sonne und sie ist warm.