Von Rabenmamis und der Angst nicht jung sein zu können

Wer so früh Kinder bekommt wie es bei mir der Fall war, dem wird so allerhand erzählt. Viele Zweifel werden gesät.

 

 

 

Weiß ein so junger Mensch überhaupt genug über Kinder und deren Erziehung, darüber was es bedeutet Verantwortung zu tragen? Hat jemand in diesem Alter denn überhaupt die geistige Reife zu begreifen, was ein Kind denn tatsächlich bedeutet? Ist sie denn wirklich dazu in der Lage einem Kind Grenzen zu zeigen? Kann sie sich selber soweit zurücknehmen, dass sie dem Kind gerecht wird? Braucht man nicht zwingend Lebenserfahrung um neuem Leben beim Sammeln dieser neuen Erfahrungen zu helfen? So junge Mütter verpassen doch immer irgendwie ihre Jugend und müssen sie dann später nachholen...

 

 

 

Ich bin 26 Jahre alt und mein erstes Kind ist neun, mein zweites fünf. Seit fast 10Jahren bin ich also schon eine Mama. Und genauso lange schon verfolgen mich diese Sätze. Dabei ist es gar nicht so, dass ich selber immer wieder darüber nachdenken würde, nein. Immer wieder treffe ich auf Menschen, die mich mit ihren Fragen und ihrer Besorgnis einnehmen wollen. Sicherlich meinen sie es gar nicht böse, sie wollen nur helfen. Es ist wohl lediglich gut gemeint...

 

Dieses "gut gemeint" hat jedoch einen bitteren Nachgeschmack. Diese Fragen und Anmerkungen bedeuten letztendlich, dass mir unterstellt wird, meine Sache nicht gut genug zu machen. Das stört mich. Mal mehr, mal weniger aber es stört mich einfach.

 

 

 

Ich erinnere mich noch sehr gut an den ersten Tag zu Hause mit meinem ersten Baby. Wir kamen vom Krankenhaus nach Hause, ich legte ihn in sein Bett, schritt durchs Zimmer und dachte: "Heilige Mutter Gottes! Was mach ich denn jetzt eigentlich mit dir Kindlein?". Ich war zu diesem Zeitpunkt 17 Jahre alt. In den darauffolgenden Jahren lernte ich, dass Leben einfach das ist, was du daraus machst. Ich beendete die Realschule, machte eine Ausbildung zur Kinderpflegerin, Weiterbildungen, bekam ein zweites Kind, arbeitete als Krippenpädagogin, kündigte meinen Job, reiste, versuchte mich selber zu finden. Schließlich beschloss ich mein Abi nachzuholen und ein Buch zu schreiben. Meinen Kindern ging und geht es in diesem ganzen kunterbunten Wirrwarr sehr gut. Sie entwickeln sich so, wie es gesellschaftlich erwartet wird, sin in den meisten Bereichen sogar ein wenig fitter als Gleichaltrige und gelten in Schule und Kindergarten als unkompliziert. Trotz dieser Tatsache passiert es mir immer wieder, dass Menschen, wenn sie mein Alter hören Mitleid mit meinen Kindern haben oder mit mir. "Du kannst ja gar nicht jung sein". "Mit so einer jungen Mama". Immer wieder ertappe ich mich dabei, wie ich diese Aussagen zu nah an mich rankommen lasse. In solchen Momenten habe ich dann tatsächlich Angst davor, nicht jung sein zu können. Ich habe Angst davor, eine Rabenmutter zu sein, egoistisch zu handeln.

 

 

 

Je mehr ich jedoch auf das höre, was mein Herz mir sagt, desto besser geht es mir. Wer bestimmt, wie ich mich zu verhalten habe? Wer sagt mir, was das Richtige ist? Wer weiß, wie es mir wirklich mit all dem geht? Niemand außer mir selbst! Ich versuche auf meine Intuition, mein Gefühl zu hören und mich nicht in eine Schublade stecken zu lassen. Ich bin eine Mami. Eine Frau. Ein Mädchen. Eine Träumerin. Ich lese meinen Kindern gerne Geschichten vor, spiele mit ihnen. Ich reise gerne, schreibe, will mich selber finden. Wer bestimmt, ob das in Ordnung ist?

 

 

 

Leben ist das, was du daraus machst!