Erinnerung oder Von dir und mir und der großen, weiten Welt

Erinnert euch! Ich erinnere mich. Damals. Wir waren Kinder. Ich war gerade erst hergezogen, du ebenso. Dieses winzige Dorf. 12 Häuser. Wald. Wiesen. Ich liebte es vom ersten Moment an. Du hattest Schwierigkeiten anzukommen. Wir begegneten uns. So wie Kinder dies nun mal tun. Stürmisch und unvorsichtig. Ohne Vorurteile. Völlig frei. Es war wunderbar. Wir wurden Freundinnen und verbrachten all die Zeit, die wir zur Verfügung hatten, zusammen. Lager bauen im Wald. Zelten. Fahrrad fahren. Später dann tanzten und sangen wir, kochten. Unzählige Tage und Nächte verbrachten wir zusammen. Die eine kannte die andere so gut. Es war eine Freundschaft, wie es nur unter Kindern möglich ist. Beste Freundinnen. Durch dick und dünn. Wir wurden älter. Ich erinnere mich. Du hattest deinen Weg, ich meinen. Wir hatten weniger gemeinsam, so schien es. Jede von uns eigensinnig. Wir wollten unsere Ziele erreichen, Träume verwirklichen. Du verbrachtest viel Zeit im Internet, wurdest ruhiger. Ich suchte meine Grenzen, lies keine Erfahrung aus. Wir wurden immer verschiedener. Eine Zeit lang, hatten wir einfach gar keinen Kontakt. Ohne Streit, ohne Probleme. Jede von uns machte einfach ihr eigenes Ding. Ich bekam Kinder. Du fingst an, die Welt zu erkunden. Immer mal wieder eine Nachricht. Hey, wie geht´s? Was machst du grad? Lange Pausen dazwischen. Wir trafen uns ab und an. Ich gab mein geregeltes Leben auf, reiste, arbeitete mal da, mal dort. Wir hatten uns irgendwie aus den Augen verloren und doch warst du nicht weg. Ich erinnere mich. Immer wieder habe ich mir vorgenommen, dich anzurufen, dir zu schreiben. Dann ging ich wieder zur Schule. Hatte so viel Zeit mich mir selbst zu beschäftigen, mich zu suchen, zu finden. Zeit, um mich zu erinnern. Auch an dich. Wir trafen uns, redeten. Auf einmal, waren die Vibes wieder da, das Gefühl von früher. So verschieden waren wir überhaupt nicht. Genau gleich und verschieden genug, um zu wissen, wie es der anderen geht. Wir erinnerten uns. Zurück in die Kindheit. So war es früher. So ist es jetzt. So wahr. So echt. Ich mache keinen Hehl daraus, dass du mir oft gefehlt hast. So ist das, wenn man noch ganz jung  ist, man macht sein eigenes Ding. Keine Zeit. Viel Stress. Das Leben kommt dazwischen. Jetzt kommt für uns beide irgendwann die große 30. Tatsächlich liegt sie gar nicht mehr in so weiter Ferne. Wir kennen uns nun fast 20 Jahre. Fast unser ganzes Leben. Jede wird auch weiterhin ihr eigenes Ding machen, wir werden ewig weit entfernt sein voneinander. Kontinente werden uns trennen. Wir verändern uns weiter. Jede auf ihre Weise. Und doch weiß ich, dass du da bist. Du kennst mich. Meine Fehler, meine Stärken, meine Eigenheiten. Du verstehst mich. Ich verstehe dich. Ich kann meine Ängste und meine Sorgen mit dir teilen und du deine mit mir. Egal wo du bist. Egal wo ich bin. Wie früher. Nur anders. Anders gut und anders schlecht. Leben ist verändern. Das wissen wir beide. Du wirst weiter die Welt erkunden. Ich ebenso. Wir werden uns treffen und wieder auseinander gehen. Das Leben. Ich will dich in meinem haben, auch in 20 Jahren noch und ich weiß, dass das mit dir möglich ist. Wer weiß, wo wir bis dahin sind. Es ist nicht von Bedeutung. Das Einzige was zählt, ist diese Freundschaft, die nicht mehr weggeht, weil sie den Wandel, den das Erwachsenwerden mit sich bringt, überstanden hat. Erinnere dich. Erinnert euch. Kindheit. Freundschaft. Durch dick und dünn. Zurückspulen. Wie früher. Anders. Neu. Wunderbar. Danke.