Nur in deinem Kopf

Ich balanciere den Gehweg entlang. Barfuß. Ich mag es. Barfuß zu laufen. Es ist eine merkwürdige Nacht. Wir haben gerade zum letzten Mal miteinander geredet. Es war grausam. Ich habe mich entschuldigt, geweint. Ich wollte nie mehr vor dir weinen. Du hast gesagt, dir sei nicht alles egal. Du hast gesagt, das alles sei nur in meinem Kopf. So ist es sicherlich auch. Teilweise. Ich bin schwierig. Ja. Einnehmend, erwarte so viel. Viel zu viel. Ich weiß das. Ich erwarte ebenso viel von mir selbst. Du hast gesagt, ich täte mir selber leid und dir auch immer wieder. Das macht mich wütend! Ich brauche kein Mitleid! So bin ich nicht mehr! Die Zeit verändert selbst die, die sich dagegen sträuben. Du sagst, es wäre mein Problem. Ich glaube, das ist zu simpel. Ich habe versucht, dir zu erklären, wie ich es sehe. Du bist nur noch genervt. Du hast keinen Bock mehr. Ich muss aufhören. Du wirst noch so lange brauchen, es zu verstehen. Es wird jedoch nichts mehr mit mir zu tun haben. Machmal, da hilft es nichts, dass es einmal ein Band gab. Es hilft nichts, dass man sich so gut gekannt hat. Es bringt nichts mehr. Die Welt dreht sich weiter und vermutlich werde auch ich es irgendwann schaffen, nicht mehr daran zu denken, nicht mehr darum zu trauern. Um was überhaupt? "Wir sind keine Freunde mehr". Ob wir es wohl überhaupt je waren. Du sagst, ich hätte dir gesgat wie du bist. Vorwürfe gemacht. Nun nimmst du meine Erklärungen als deine her. Mut? Du sagst, es wäre mein Problem. Gut - böse. Schwarz - weiß. Ja - Nein. Nichts dazwischen. Keine Grauzone. Du sagst, am Ende ist doch jeder nur für sich selbst verantwortlich. Es tut mir Leid, dass du das so siehst. Ist es so einfacher? Verantwortung für die Menschen, auf die man sich einlässt, kann eine Last sein. "Jeder ist sich selbst der Nächste". So möchte ich die Welt nicht sehen. Du sagst, das sei alles nur in meinem Kopf. Ist es das wirklich? Ich kann nur mich und meine Gedanken verändern. Nicht deine. Nichts von dir. Es geht mich nichts mehr an. Ich habe einen Fehler gemacht, du hast mich entwertet. Vielleicht muss ich mir nun am Ende einmal eingestehen, dass ich vielleicht etwas kann, das dir (noch) verwehrt bleibt. Trennen, zwischen dem, was ein Mensch tut und dem, was wirklich seinem Innersten entspricht. Verzeihen. Dir. Und viel wichtiger noch - mir selbst! Idealisierung - Entwertung - Wegwerfen. Nur in meinem Kopf? Nein! Jede Geschichte hat mindestens zwei Seiten! Die Wahrheit liegt irgendwo dazwischen. "Dann bin ich halt ein Narzisst". Ich entwerte dich trotzdem nicht! Egal wie grausam du bist! Mir ist es nicht egal. Ich lasse dich gehen. Ich gebe mir die Chance, über dich hinweg zu kommen. Ich will dir keinen Raum mehr geben. Zum einen hast du ihn gar nicht verdient, zum anderen willst du ihn ohnehin nicht. Sei genervt! Denk über mich so gut und so schlecht, wie es für dich nötig ist! Vermutlich könntest auch du es sonst nicht aushalten. Aber was weiß ich schon. Wann hast du aufgehört zu fühlen? Ich bin die, über die du dich auch lustig machst. "Menschlich". Ich bin aber auch die, die weiß, wer du bist. Mach dich ruhig über mich lustig. "Wir sind alle menschlich". Weißt du tatsächlich, was das bedeutet? Wann hast du aufgehört zu fühlen? Nur in meinem Kopf. Nur in deinem Kopf. Gedanken, Gefühle. Es ist vorbei! Ich erwarte viel. Ja. Ich habe mehr verdient als das! Die Zeit verändert jeden. Selbst die, die sich dagegen sträuben. Nur in meinem Kopf! Nur in deinem Kopf. Loslassen. Frei sein. "Jeder ist sich selbst der Nächste". Wer will das denn wirklich? Ich nicht! Liebe deinen nächsten wie dich selbst! Nur in meinem Kopf?