Von der absoluten Wahrheit und dem absoluten Glück

Wir werden geboren. Niemand weiß genau warum. Es ist der Lauf der Dinge. Es gibt uns einfach. Zwei Menschen treffen sich, finden auf die eine oder andere Weise zusammen und ein neues Leben entsteht. Wir werden geboren. Hinein in eine Welt, die uns so unbekannt ist. In der wir jeden Tag aufs Neue uns selbst neu begegnen können. Eine Welt, die so gut und so schlecht ist. In der alles möglich sein kann und nichts. Warum ist das so? Warum gibt es uns? Warum gibt es mich? Diese Fragen sind vermutlich so alt wie unsere Erde selbst. Wir werden geboren, lernen unsere Eltern kennen unsere Familien, all die Menschen um uns herum. Wir lernen zu sitzen, zu stehen, zu laufen, zu sprechen und es wird uns beigebracht, was richtig und was falsch zu sein scheint. So viele Menschen, so viele Erfahrungen - so viele Gedanken und Gefühle. Das alles macht uns zu dem, der wir sind. Wie ein großes buntes Bild auf dem jedes Gefühl, jede Erfahrung, jeder Mensch einen neuen Farbkleks hinterlässt. Je älter wir werden umso genauer betrachten wir die verschiedenen Farben auf unserem Bild. Wir hinterfragen warum jenes Gefühl, jener Mensch genau die Farbnuance hinterlassen hat und keine andere. Wir fragen uns, warum manche Farben so schnell verblassen, während andere ewig leuchten. Was ist es, das uns ausmacht? Was definiert uns? Welche Aufgabe haben wir? Niemand kennt die allgemein gültige Antwort auf all jene Fragen, die den Sinn unseres Lebens festlegen sollen. Gibt es die eine, ultimative, richtige Antwort? Macht es Sinn, nach ihr zu suchen?

 

Mensch sein bedeutet, nach der eigenen Wahrheit zu suchen. Das Fundament der eigenen Existenz zu definieren und sich selbst kennenzulernen. Tiefer zu graben. Nach Licht zu suchen selbst wenn bloß mehr Schatten zu sehen sind.

 

Ich stamme aus einer Familie, in der die absolute Wahrheit so sehr verhasst ist. In der Schein und Illusion wichtiger sind als echte, wahre Gefühle. Sich selber finden zu wollen ist für sie reine Spinnerei und wird mit absolutem Realitätsverlust gleichgesetzt. Ich war schon immer jemand, für den die Frage nach dem Sinn des Lebens eine ernste Angelegenheit war. Ich wollte herausfinden wer ich bin, warum ich so bin, wie ich bin und wie ich sein kann. Es ist mir durchaus bewusst, dass ich so oft völlig abhebe, den Boden unter den Füßen verliere und meine Gedanke so hoch fliegen, dass es schwierig ist, sie wieder nach unten zu bekommen. Die absolute Wahrheit ist für mich mit dem absoluten Glück verbunden. Ich glaube daran, dass ich nur, wenn ich tief in mich blicke, mein Blick auch nach außen gewendet sein kann. Ich glaube an die Wahrheit, die in jedem von uns steckt. An das Bild, das jeden Menschen zeichnet. Ich will all die Farben, die andere zu meinem Bild hinzufügen betrachten und auf mich wirken lassen. Ich möchte hinter all dem, das mich über Jahr hinweg definiert hat, den Ursprung erkennen. Die absolute Wahrheit. Auf der Suche nach genau dieser, nach dem absoluten Glück, verhalte ich mich oft nicht so, wie ich es von anderen erwarte. Ich bin fordernd und anstrengend, sage meist viel zu viel und ertappe mich öfter als mir liebe ist dabei anderen meine Sichtweise aufzwingen zu wollen. Dies versuche ich zu ändern. Jeden Tag aufs Neue. Es dauert wohl eine halbe Ewigkeit die Wahrheit zu erkennen, wenn sie so schön verpackt ist. Schicht für Schicht. Mit glänzendem Papier umwickelt. Irgendwo darunter liegt das wahr, echt Bild, das zum absoluten Glück führen kann. Und so versuche ich weiter, Schicht für Schicht abzutragen und dabei immer öfter den Boden unter den Füßen zu spüren.