Vom Suchen und Finden

Als ich vor ein paar Tagen den Frühjahrsputz in Angriff genommen hatte, fiel mir beim Aufräumen ein Buch in die Hände: "Wie man richtig küsst" von Holly-Jane Rahlens. Ich habe dieses Buch vor ziemlich genau 10 Jahren bei ihrer Lesung gekauft. Es war das erste Mal, dass ich auf einer Autorenlesung war und ich erinnere mich gerne daran. Ich war 16 Jahre alt und liebt Bücher damals schon genauso wie jetzt, nur traute ich mich noch nicht selbst zu schreiben. Ich war gut in Deutsch und mein Lehrer hatte ein paar andere Schüler und mich ausgewählt, ihn zur Lesung zu begleiten. Er kannte die Autorin. Als ich anschließend das Buch kaufte, stellte er mich ihr vor und erzählte, dass ich unglaublich großes Potential hätte selbst zu schreiben und dass ich aber meine "Stimme" noch nicht gefunden hätte. Frau Rahlens lachte, legte mir ihre Hand auf die Schulter und sagte: "Dieses Mädchen hat sicherlich großes Potential nur muss sie noch ihren Marek finden, dann findet sie auch ihre Stimme". Marek war der Junge aus ihrem Buch, Ein Pianist. Er und die Protagonistin Rebella begegnen sich auf der Lesereise ihrer Mutter in einem bayerischen Schlosshotel. Rebella macht eine schwere Zeit durch, kann sich niemandem öffnen und Marek und sie verlieben sich ineinander. Er ist derjenige mit dem sie als erstes über den Tod ihres Vaters sprechen kann. Sie schreibt gerne, ist eine Dichterin. Er "berührt ihre Seele" und sie findet dadurch mehr zu sich selbst, findet zu ihrer Stimme sozusagen. Holly-Jane Rahlens hat ihr Buch für mich signiert: " Für Yassamin. Find your Marek. And find your "voice" so you can write and be a great writer". Jetzt, zehn Jahre später, schreibe ich. Jeden Tag. Es befreit mich. Es hilft mir. Es macht mich glücklicher. Tatsächlich "fließt" es jedoch erst seit wenigen Monaten wirklich. Ich habe jemanden kennengelernt. Jemanden, vor dessen Blick ich mich nicht verstecken konnte. Jemanden, dem ich alles von mir erzählt habe und der "meine Seele berührt hat". Jetzt ist er weg und es ist ziemlich wahrscheinlich, dass er und ich nicht mehr zusammen finden aber das ist nicht mehr schlimm. Ich hab durch seine Hilfe ein Stückchen mehr zu mir finden können, gelernt mehr auf meine "Stimme zu hören. Ich fühl mich losgelöster. Freier. Das ist ein großes Geschenk. Es ist erfrischend zu sehen, dass manche Dinge tatsächlich so simpel sind. So menschlich. Bisher habe ich immer krampfhaft nach Inspiration gesucht, mich zum Schreiben gezwungen. Nun finden die Ideen mich, Eine kleine Anekdote, die mir eine Unbekannter beim Spazierengehen erzählt. Die Liebesgeschichte einer alten Freundin. Ein Bild. Ich muss nicht mehr suchen, mich zu nichts drängen. Es kommt mit einem leisen Windhauch, findet mich. Danke!

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