Grausam

Vor nicht allzu langer Zeit hat mir jemand gesagt: "Manchmal muss man, um sich selbst etwas Gutes tun zu können, wirklich grausam sein - zu sich selbst und anderen". Ich mag dieses Wort nicht. Grausam. Es bedeutet rücksichtslos, gefühllos, sehr unangenehm oder qualvoll. Dieses Wort möchte ich nicht als Adjektiv zur Beschreibung meiner Taten verwenden. Gefühllos. Ich glaube nicht daran, dass es Sinn macht, seine Gefühle auszuschalten. Vielmehr bin ich davon überzeugt, dass genau darin die Wurzel allen Übels liegt. Wir rechtfertigen unsere Taten damit, dass sie, ohne das Gefühl miteinzuberechnen, unter rationeller Vorgehensweise geschahen. Wozu führt das? Wir beuten andere Menschen aus um einen ohnehin fiktiven Wohlstand halten zu können. Wir schlachten uns gegenseitig regelrecht ab. Wir behandeln Tiere als wären sie Objekte. Unsere Erde leidet qualvoll unter unserer Grausamkeit. Wenn das noch nicht reicht. Wir haben eine Ellenbogenmentalität kreiert und zelebrieren diese wie nie zuvor. Das Recht des Stärkeren ist uns nicht unbekannt, nein, wir sind davon überzeugt, dass dies dem natürlichen Lauf der Dinge entspricht. Wir führen oberflächliche Scheinfreundschaften und Scheinbeziehungen, in denen es oft nur darum geht unseren narzistischen Drang, besonders gut da zu stehen, zu befriedigen. Natürlcih kann manch einer nun sagen, dies sei übertrieben und ganz so schlimm sei es noch nicht. Doch, das ist es. Ich sage nicht, dass alle Menschen nach diesem Prinzip agieren. Es gibt glücklicherweise noch Menschen, die nicht grausam sind. Die nicht grausam sein wollen. Es werden mehr und mehr. Jedoch ist es nicht leicht, in dieser grausamen Welt weiterhin an das Gute zu glauben. Es wäre jedoch wirklich fatal, damit aufzuhören. Um eine Revolution zu beginnen und sie durchzustehen, braucht es jene, die ihren Glauben nicht verlieren. Jene, die daran festhalten, dass Grausamkeit niemals das Richtige sein kann. Jene Menschen, die Gefühlslosigkeit bedauern können. Natürlich schwingt bei diesen Gedanken das Wörtchen "Naivität" ein wenig mit. Nein, es geht nicht darum mit Blumen im Haar am Strand zu sitzen, zu kiffen, das Establishment zu verfluchen und darauf zu warten, dass die Welt besser wird. Es geht darum, die Werte, für die man einstehen möchte zu leben. Weiterzutragen und sich dabei nicht von all dem Negativen beeinflussen zu lassen. Es geht darum eben nicht grausam zu sein, auch wenn einem danach ist. Nicht gefühllos zu sein. Und es ist oft so schwer. Man wird verletzt, öfter als einem lieb ist. Man wird belächelt, nicht ernst genommen und zeitweise für verrückt erklärt. So what! Ich will nicht grausam sein, nicht gefühllos und auch nichts tun nur weil unsere Gesellschaft uns einredet es wäre so unglaublich wichtig sich selbst zu finden und dabei vergisst, dass dieser monumentale Wertverlust diesen Prozess erst notwendig gemacht hat. Ich muss nicht grausam sein. Du musst nicht grausam sein! Niemand muss es! Man entschlließt sich dazu, weil es oft einfacher ist, schneller befriedigt als das lange Warten aufs Gute. Weil es alle so machen. Mir ist egal, was alle machen! Ich mach´ mir die Welt, wie sie mir gefällt. Vielleicht mag naiv sein - das nehm ich gerne in Kauf! Es geht schließlich letztendlich darum, ob wir unser Spiegelbild noch selbst betrachten können. Ich will in meinem keine Grausamkeit erkennen. Keine Gefühlslosigkeit. Muss ich zum Glück auch nicht! Ich will niemandem, der so agiert einen Vorwurf machen und ich bin keinesfalls frei von jeder Schuld! Ich bin mir nur der Tatsache, dass grausam sein so einfach wäre durchaus bewusst. Grausam kann letztendlich sogar entmenscht bedeuten. Edel sei der Mensch, hilfreich und gut! Nicht grausam. Nur menschlich. 

Kommentar schreiben

Kommentare: 0